Historie-Arbeitskreis-Glashütten Taunus
Historie-Arbeitskreis-Glashütten Taunus

Gebietsreform in Hessen ab 1969

 

 

Hier: Zusammenschluss der drei bisher selbständigen Gemeinden Schloßborn, Oberems u. Glashütten

 

Die Gebietsreform war ein wichtiges Projekt der hessischen Landesregierung unter dem von 1970 bis 1974 amtierenden sozialliberalen Kabinett von Ministerpräsident Albert Oswald (SPD) und Innenminister Hanns-Heinz Bielefeld (FDP). Ziel war es, aus der Vielzahl der kleinen selbständigen Gemeinden größere und damit leistungsfähigere Verwaltungseinheiten (Gemeinden und auch Landkreise) zu schaffen. Die Entscheidungen für Zusammenschlüsse sollten möglichst freiwillig und durch Beschlüsse der kommunalen Gremien erfolgen. Deswegen wurden vom Land Hessen Vergünstigungen aus dem kommunalen Finanzausgleich für freiwillige Zusammenschlüsse in Aussicht gestellt.

 

Jede Gemeinde bildete zunächst für sich eine Kommission zur Vorklärung und Abstimmung mit Nachbargemeinden. Erste Pläne der Zusammenführung zu einer großen Gesamtgemeinde gingen von Glashütten aus in Richtung eines Zusammenschlusses mit Schloßborn, Oberems und auch Wüstems, Kröftel und Oberrod, aber erfolglos. Zwischen Oberems und Glashütten bestanden immer schon engere (auch familiäre) Beziehungen, die durch die Schließung der bisher selbständigen Volksschule in Oberems und schulischen Zusammenlegung mit Glashütten (ab 1.7.1970) noch verstärkt wurden. So beschließt die Gemeinde Oberems unter ihrem Bürgermeister Mohr den freiwilligen Zusammenschluss mit Glashütten, dem auch die Glashütter Gemeindevertretung unter Bürgermeister Gottschalk zugestimmt hatte.

Nach Bestätigung durch die hessische Landesregierung erscheint folgender Text im

Amtsblatt Glashütten vom 11.12.1971:

 

Die hessische Landesregierung hat am 10.11.1971 beschlossen: Gemäß § 17, Abs. 2 in Verbindung mit §16, Abs. 1 und § 12 der Hess. Gemeindeordnung in der Fassung vom 1. Juli 1969 (GVB. S.103) werden mit Wirkung vom 31.12.1971 die Gemeinden Glashütten und Oberems im Main-Taunus-Kreis zu einer Gemeinde mit dem Namen Glashütten zusammengeschlossen.

 

Auf Grund des freiwilligen Zusammenschlusses bekam die neue Gemeinde vom Land Hessen Gelder in Höhe von 630.000.- DM.

 

Anders verlief es mit Schloßborn. Ähnlich wie im Falle von Oberems hatte die Glashüttener Gemeindevertretung einstimmig einen freiwilligen Zusammenschluss mit Schloßborn beschlossen, veröffentlicht im Amtsblatt von Glashütten, Sa., den 16.10.1971:

 

Die Glashütter Gemeindevertretung beschließt am 5.10.1971 einstimmig den freiwilligen Zusammenschluss mit Schloßborn.

 

Damit war Schloßborn aber nicht einverstanden. Hier gingen die Überlegungen und Bestrebungen vor allem in Richtung eines Zusammenschlusses mit Ehlhalten, Eppenhain und Ruppertshain, später auch mit Königstein, was sich aber als erfolglos erwies. Die auf kommunaler Ebene notwendigen Beschlüsse für einen freiwilligen Zusammenschluss hätten bis zum 31.12.1971 dem Kreisausschuss und der hessischen Landesregierung vorliegen müssen. Schloßborn wäre letztlich dazu bereit gewesen, wenn die neue Gemeinde den Namen „Schloßborn“ erhalten hätte. Um dies zu erreichen, holt der Schloßborner Bürgermeister Hofmann am 4.11.1971 eine Stellungnahme beim Hessischen Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden, ein, in der es um den Ortsnamen einer möglichen Gemeinde aus den Ortsteilen Schloßborn, Oberems u. Glashütten geht. Dr. Struck antwortet am 19.11.1971 dahingehend, dass wegen des Alters und der historischen Bedeutung Schloßborns und auch weil dieser Ortsname einmalig ist (im Gegensatz zum Ortsnamen Glashütten) die neu zu bildende Gemeinde Schloßborn heißen müsse, auch wenn sich die Verwaltung im Ortsteil Glashütten befindet. Dieser Brief ist im Schloßborner Amtsblatt vom 11.12.1971 veröffentlicht.

Auf einer sehr kontrovers geführten Verhandlungsrunde (die vierte Runde zu dem Thema) der Kommission am 6.12.1971 im Gasthaus „Zur Krone“ unter dem Vorsitz von Erstem Beigeordneten Stiege (Glashütten) geht es ausschließlich nur noch um den Namen der neu zu bildenden Gemeinde. Schloßborn will dem Zusammenschluss nur zustimmen, wenn die neue Gemeinde den Namen Schloßborn erhält, auch wenn der Ort der Verwaltung Glashütten sein soll. Der Vorschlag seitens Glashütten und Oberems, einen übergeordneten (Fantasie-) Namen zu finden, wird abgelehnt. Bürgermeister Hofmann ist sogar der Meinung, dass Schloßborn eine selbständige Gebietskörperschaft bleiben könnte. Die Fusionsgespräche scheitern letztlich an der Namensgebung der neuen Gemeinde, die Frist für einen freiwilligen Zusammenschluss verstreicht und damit auch die Zuwendung von DM 630.000.-.

Damit ist das Land Hessen am Zuge. Durch Beschluss des hessischen Landtags wird Schloßborn der Gemeinde Glashütten eingegliedert, die bereits unter diesem Namen mit den Ortsteilen Oberems und Glashütten bestand. Nachzulesen im

Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen vom 14. Juli 1972:

 

§ 10 Gemeinde Glashütten:

Die Gemeinde Schloßborn im MTK wird in die Gemeinde Glashütten im MTK eingegliedert.

 

Das Gutachten aus dem Hause des Hessischen Hauptstaatsarchivs zur Namensgebung der neuen Gemeinde hatte keine Beachtung gefunden.

 

Im Zuge der Gebietsreform ändern sich auch die Kreise und ihr Zuschnitt. Der Landkreis Main-Taunus (zu dem bisher Schloßborn und Glashütten gehörten) wird in seinen Grenzen besonders stark verändert. Aus den Altkreisen Obertaunuskreis und Usingen (zu dem früher Oberems gehörte) wird der Hochtaunuskreis, in den die neue Gemeinde Glashütten bestehend aus den drei genannten Ortsteilen eingegliedert wird.

 

 

Quellen:

  1. Gemeindearchiv Glashütten: Schloßborner Akten, Lagerplatz 93, Nr. 490ff
  2. Hessisches Hauptstaatsarchiv, Wiesbaden
  3. Amtsblätter der Gemeinden Glashütten und Schloßborn
  4. Protokolle, Pressetexte FAZ, FR u.a.
  5. wikipedia

 

 I. Berg,   H. Hofmann,   A. Klomann

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