Historie-Arbeitskreis-Glashütten Taunus
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Glashütte "Am Buchholzweg"

Ausgrabung 2002

Einleitung

Durch Geländebegehungen war die Glashütte, wie schon diejenige "Unterhalb Dornsweg", durch Horst Nauk 1998 wieder entdeckt worden. Sie lag ebenfalls im Waldstück mit der Flurbezeichnung „Glashain“ und damit direkt am heutigen Emstalweg (jetzt auch waldGLASweg). Im Gegensatz zu den anderen Betrieben besteht sie aus einem Hauptofen mit deutlichem Annex und lediglich zwei Nebenöfen, da hier kein Flachglas hergestellt wurde.

 

Auch die Produktionsabfälle belegen eine ausschließliche Hohlglasproduktion. In erster Linie wurden sowohl optisch geblasene Rippen- und Kreuzrippenbecher als auch Krautstrünke aus grünem und blaugrünem Waldglas hergestellt. Ihre größte Verbreitung hatten diese Formen um die Mitte und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Hierauf verweisen zudem Keramikfunde (gelb- und rottonige Irdenware mit feiner Riefung).

 

Wie die beiden zuvor beschriebenen Standorte wurde auch dieses Glashütten-Areal vor den Ausgrabungen im Juni/Juli 2002 zuvor vermessen, kartiert und geophysikalisch prospektiert.

Abb. 1: Ergebnis der geophysikalischen Prospektion und deren farblich hervorgehobene Interpretation. Länge der Untersuchungsfläche 60 m, Breite 50 m; O-1 = Hauptofen, O-2 u. O-3 = Nebenöfen 2 u. 3

Einleitung

Bereits das geophysikalische Messbild wies darauf hin, dass im Gegensatz zu den anderen Hüttenstandorten lediglich mit drei Öfen zu rechnen war. Die zunächst ins Spiel gebrachte Überlegung, dass beim Anlegen des nahen Waldwegs mögliche weitere Nebenöfen zerstört worden waren, bestätigte sich zum Glück nicht. Es handelte sich tatsächlich um eine geschlossene Drei-Ofen-Anlage. Da hier kein Flachglas hergestellt wurde, konnte auf die Kombination von Streck- und Kühlofen verzichtet werden.

 

Die beiden Nebenöfen dienten im Wesentlichen der langsamen Abkühlung der Hohlglasprodukte. Ofen 3 war im Gegensatz zu Ofen 2 zusätzlich fundamentiert. Zudem war er einer stärkeren Hitze ausgesetzt, was auf eine höhere Temperatur im Ofen und/oder eine längere Nutzung hindeutet.

Abb.: 2

Die Übersicht der freigelegten Fläche zeigt die Öfen 1 bis 3 im Verbund. Die türkisfarbenen Linien deuten die Schürkanäle der jeweiligen Öfen an. An Ofen 1 schließt ein konischer Annex an (blaue Linien), der eventuell die Fundamentierung eines mit dem Hauptofen verbundenen Kühlofens darstellen könnte. Das gelbe und rote "S" weist auf anzunehmende Standorte der jeweiligen Schürer der Öfen hin.

Abb. 3

Der Hauptofen aus der Vogelperspektive mit Grundplatte des Schürkanals (oberer Pfeil) und darunter liegender Fundamentierung (dichte Steinschüttung: mittlerer Pfeil) sowie konisch zulaufendem Übergang (unterer Pfeil). Vermutlich ein Abzug für die Heißluft vom Schürkanal in den Annex.

Abb. 4

Reste des Nebenofens 2 mit ebenfalls WNW-OSO verlaufendem Feuerungskanal und dazugehöriger Steinsetzung (türkisfarbene Pfeile) sowie wenigen Resten der Ofenaußenmauer (gelber Pfeil).

Lehmreste zum Verfugen des steinernen Kuppelbaus über den Feuerungskanälen fanden sich in allen drei Öfen. Im Schmelzofen befanden sich außerdem auch stark verziegelte Stücke, die wohl aus dem Innenbereich des Ofens (z.B. von den Hafenbänken) stammen dürften.

 

Das S (rechter obere Bildrand) markiert die ungefähre Stelle des Schürers, der von dieser Position aus beide Nebenöfen gleichzeitig befeuern konnte.

Abb. 5

Nebenofen 3 mit NO-SW verlaufendem Feuerungskanal und dazugehöriger Steinsetzung (türkisfarbene Pfeile) sowie Fundamentierungen des Schürkanals und der Ofenaußenmauer.

Nebenofen 3 mit NO-SW verlaufendem Feuerungskanal und dazugehöriger Steinsetzung (türkisfarbene Pfeile) sowie Fundamentierungen des Schürkanals und der Ofenaußenmauer. Die Streuung der Steine zeigt die ursprünglich runde Form des Ofens, die ebenfalls bei Nebenofen 2 wahrscheinlich ist. Der Hauptofen 1 weist dagegen eine rechteckig-ovale Grundform auf. Wie beim Hauptofen ist auch hier der Untergrund und das nähere Umfeld der Feuerungskanäle durch die Hitzeeinwirkung rötlich verfärbt, jedoch nicht so intensiv, da die Nebenöfen zum Abkühlen der hergestellten Glasgefäße eine Temperatur von maximal 600 ° C erreichten, die dann langsam heruntergefahren wurde, bis die Gläser entnommen werden konnten. Südlich der Öfen 1 und 3 konnten mit Steinen eingefasste Pfostenlöcher lokalisiert werden, die auf Träger einer hölzernen Dachkonstruktion als Wetterschutz für die Glasbläser hindeuten.

Fundmaterial

Unter den rund 7400 Fundstücken befanden sich verformte Becherfragmente, Pfeifenabschläge, Glasmassebrocken, Glasfäden, Glastropfen u. -kügelchen, Schmelzreste, ein Tonmodel und vier Fragmente eiserner Glasmacherpfeifen. Dazu kommen Reste blauer Becher und Flaschen und wenige Scherben von Gläsern aus roter opaker Glasmasse.

Abb.: 6

Reste eines während der Herstellung misslungenen Nuppenbechers, ein „Krautstrunk“ des späten 15. Jahrhunderts aus grünem Waldglas...

Abb.: 7

... und dem dazugehörigen verzierten Bodenstück.

Das geborgene Fundmaterial spiegelt eine ausschließliche Hohlglasproduktion wider (Becher, Flaschen). Flachglas und Scheiben wurden "Am Buchholzweg" nicht hergestellt.

 

Glasrecycling wurde schon damals betrieben. Insbesondere wurden Abfälle aus Glaserwerkstätten der umliegenden Städte und Dörfer eingesammelt und wiederverwendet, da sie den hohen Schmelzpunkt des Gemenges deutlich reduzieren. So fanden sich "Am Buchholzweg" einige wenige Scherben von Butzenscheiben, die sehr wahrscheinlich zu einer größeren Recyclingmasse gehörten.

 

Der Glasbetrieb arbeitete wahrscheinlich im gleichen Zeitraum wie der nur etwa 1 km entfernte Standort „Unterhalb Dornsweg“ oder zeitlich etwas später. Die Auswertungen weisen darauf hin, dass die Hütte an der "Emsbachschlucht" als älteste, die "Am Buchholzweg" als jüngste anzusehen ist. Es ist zu vermuten, dass die Hütte "Am Buchholzweg" mit der "Unterhalb Dornsweg" in Verbindung stand oder eine Nachfolgehütte war.

Abb.: 8  Scherben von Gläsern aus hochwertiger klarer Glasmasse

Abb.: 9

Stetiger Begleiter der Grabung war von Anfang an das sekundäre Hilfsmittel Metalldetektor. Die meisten der damit geborgenen Funde lagen in 5 bis 20 cm Tiefe, weil auch das ehemalige Laufniveau der Glashütte mit der heutigen Oberfläche nahezu identisch war und lediglich durch eine dünne Humusschicht geschützt wird.

Abbildungsnachweis:

Abb.: 1 Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR
Abb.: 2 bis 7 und 9
  E. Laufer

Abb.: 8 P. Steppuhn

Historie-Arbeitskreis-Glashütten

Ingrid Berg

Nachtigallenweg 3
61479 Glashütten

06174-62389

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