Historie-Arbeitskreis-Glashütten Taunus
Historie-Arbeitskreis-Glashütten Taunus

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Glashütte "An der  Emsbachschlucht"

Ausgrabung 2000

Einleitung

Auf einem nach Norden mäßig abfallenden Plateau waren drei kleinere und ein größerer Hügel sichtbar, letzterer gab Teile von verglasten Steinplatten frei. Es war bekannt, dass hier Ende der 70er Jahre bereits eine kleinere Sondage durchgeführt worden war, die diesen Platz eindeutig als eine frühe Waldglashütte ausgewiesen hatte. Allerdings war vorhandenes Schrifttum falsch interpretiert und auch das Fundmaterial einer späteren Zeit zugeordnet worden.

 

Im Juni 2000 wurde das Kulturdenkmal auf den Grundlagen einer bereits 1999 durchgeführten Vermessung und Kartierung des Geländes geophysikalisch prospektiert, um eine möglichst vollständige Erfassung der zentralen Bereiche und eine Differenzierung von Tätigkeitsbereichen innerhalb des Hüttenkomplexes vornehmen zu können. Hierbei wurde deutlich, dass es sich bei den kleineren Hügeln um vier Nebenöfen zum bereits bekannten Hauptofen handeln musste.

Glashütte "An der Emsbachschlucht", heutiger konservierter Zustand

Abb. 1: Ergebnis der geophysikalischen Prospektion und deren farblich hervorgehobene Interpretation.
Länge der Untersuchungsfläche 50 m, Breite 40 m; 1 = Hauptofen, 4a bis 4d = Nebenöfen 2 bis 5

Nach Auswertung und auf Grundlage der geophysikalischen Prospektion erfolgte von Mitte August bis Anfang September 2000 unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Peter Steppuhn (Lübeck) eine Ausgrabung des Areals in Zusammenarbeit mit der Ehrenamtlichen Kreisarchäologie Hochtaunuskreis statt. Frau Ingrid Berg und ihr Mann, Herr Uwe Berg, (Kulturkreis Glashütten) bereiteten die Grabung so gut vor, dass  sich zahlreiche freiwillige Helfer des Vereins sowie weitere Helfer der Kreisarchäologie mit großem Engagement an der Grabung beteiligten. Die Teilnehmer wurden durch gutes Wetter und Verpflegungssponsoren bei guter Laune gehalten, was übrigens auch für die noch folgenden Grabungen im Jahre 2001, 2002 und 2005 in bewährter Form gelten sollte.

Grabungsergebnisse

Im etwa sieben Meter langen und vier Meter breiten Hauptofen mit lang-rechteckiger Form wurden die verschiedenen Glasobjekte hergestellt. Es handelte sich um Gebrauchsware aus grünem Waldglas; vor allem um Becher, Flaschen, Apothekerbedarf und zu einem erheblichen Teil um Flachglas für Fensterverglasungen. Auf den im Ofen noch weitgehend original erhaltenen Hafenbänken von etwa 1,70 m Länge und ca. 0,60 m Breite dürften vier Glashäfen (Tiegel aus hochhitzebeständiger Keramik mit bis zu 60 Litern Fassungsvermögen) mit der Glasschmelze Platz gehabt haben. Im kuppelförmigen Bau über dem Kanal befanden sich beidseitig jeweils zwei Arbeitsöffnungen, durch die die Glasbläser die Glasmasse entnahmen und weiterverarbeiteten.

Abb. 2: Freigelegter Hauptofen mit Schürkanal (1), Schürkanalöffnung im Norden (2), Hafenbänke (3) und einem Annex (4), vermutlich zur Lagerung von Rohmaterial (Asche, Altglas); die orange-rote Erde um den Kanal weist auf die starke Hitzeentwicklung im Ofen hin.

Die runden Nebenöfen hatten einen Durchmesser von drei bis vier Metern. Im Inneren befand sich jeweils ein ursprünglich abgedeckter Feuerungskanal (auch „Schürkanal“ genannt) von ca. 40 cm Breite. Darüber folgte vermutlich ein Hohlraum in Form einer aufgehenden Kuppel. Die Nebenöfen 2 und 5 dienten in erster Linie dem Herunterkühlen der frisch geblasenen Hohlgläser, die Öfen 3 und 4 waren eine Kombination von Streck- und Kühlofen für die Flachglasherstellung.

Abb. 3: Ofen 5 mit Schürkanal (1), Schürkanalöffnung (2), eingestürzte Schürkanalabdeckung (blauer Pfeil) und Reste der Fundamentaußenmauer (blaue gepunktete Linie)

Abb. 4: Glashütte „An der Emsbachschlucht“; Gesamtplan des Ausgrabungsbefunds (Zeichnung: Eckhard Laufer)

Fundmaterial

Das geborgene Fundmaterial in Form optisch geblasener Rippen- und Kreuzrippenbecher aus grünem Waldglas und gelb- sowie rottonige Irdenware mit feiner Riefung datieren die Glashütte in die Zeit um 1450.

 

Weiterhin fanden sich Teile von Ofenwandungen, zerbrochene Glashäfen, Fritte, Glasmasse, häufig in Form von Tropfen und Kügelchen, Reste von Glasmacherpfeifen, ein Modelrest zur Herstellung gerippter Becher und neben Hohlglas vor allem Flachglas zur Fensterverglasung. Die Gleichgewichtung von Hohl- und Flachglas deutet drauf hin, dass im 15. Jahrhundert einfache Glasfenster für den privaten Bedarf eine große Rolle spielten. Ein Hinweis auf die Herstellung von Butzenscheiben fehlt.

Abb. 5: Scherben optisch geblasener Rippen- und Kreuzrippenbecher;
Größe des Bodenstücks in der Bildmitte links: ca. 6 cm im Durchmesser.

Abb. 6: Oberteile von gerippten Bechern mit unterschiedlichen Mustern.

Abbildungsnachweis:

Abb. 1: Posselt & Zickgraf Prospektionen GbR
Abb. 2 und 3: E. Laufer
Abb. 5: P. Steppuhn

Abb. 6: B. Jakobus

 

Konservierte Fundamente der Glasöfen "An der Emsbachschlucht"


Die Konservierung der Öfen erfolgte durch die Firma Karl-Heinz Walz (Sensbachtal/Odenwald). Zuvor waren sie durch die Firma Archäologische Baubetreuung, Dokumentation, Präsentation (Dr. Klaus Michael Schmidt) von noch vorhandenem Wurzelwerk befreit worden und dabei abschließend archäologisch ausgegraben, wobei eine ergänzende Dokumentation die Grabungsergebnisse von 2000 vervollständigte.

Abb. 1: Die Glasproduktionsstätte in einer Übersicht: rechts befindet sich der Hauptofen, und links davor liegen die Nebenöfen. Heute ist das Areal um den Hüttenstandort herum weitgehend wieder bewachsen.

Ein Schotterweg um die Öfen herum und das Auffüllen der Zwischenräume ebenfalls mit Schotter ermöglichen es dem Besucher, sich die Öfen aus nächster Nähe anzusehen. Schautafeln am Wegesrand erläutern dem interessierten Leser die Ergebnisse der archäologischen Grabung und das wahrscheinliche Aussehen der mittelalterlichen Glashütte.

Abb. 2: Schmelzofen (Ofen 1) von Nord nach Süd mit Pflasterung vor dem Schürkanal. Im Hintergrund die Nebenöfen 2-5 (2 rechts, 5 links).

Abb. 3: Ofen 1 von Süd nach Nord mit Annexanbau im Südwesten. In der Mitte des Schürkanals sind deutlich die Reste der Hafenbänke zu erkennen (dunkle Bereiche).

Abb. 4: Anordnung der Nebenöfen (Ofen 2 und 3) südwestlich des Ofen 1.

Abb. 5: Anordnung der Nebenöfen (Ofen 4 und 5) südöstlich des Ofen 1

Abbildungsnachweis:

Abb. 1 bis 5: E. Laufer

Die erste große Nachkonservierungsmaßnahme musste 2008 an den Hafenbänken des Hauptofens vorgenommen werden. Die Durchführung lag in den Händen der Fachfirma Matthias Steyer, Diplomrestaurateur, Eppstein, die auch im Jahre 2010 mit weiteren Maßnahmen beauftragt wurden. Insbesondere im Bereich der ehemaligen Brennkammer am Hauptofen platzte immer wieder verglastes und anderes Steinmaterial heraus, ganze Bereiche mussten neu verfestigt und hinterspritzt werden.

Obwohl die Anlage im Winter durch den Bauhof der Gemeinde Glashütten abgedeckt wird, lassen sich derartige Schäden nicht vermeiden. Das ehemals stark durchglühte Steinmaterial bröckelt immer weiter ab, auch suchen oftmals Tiere Unterschlupf in den Zwischenräumen und graben Gänge unter die Anlage.

Restauratorin bei der Arbeit am Hauptofen im Jahre 2010

Nach einem langen und schneereichen Winter 2012/2013 waren erhebliche Schäden vor allem an den vier Nebenöfen entstanden. Die in der Regel nicht fundamentierten Randsteine drohten teilweise abzukippen, viele Verfugungen hatten sich herausgelöst und auch das Umfeld um die einzelnen Öfen musste neu angelegt werden. Im Frühjahr 2014 konnten alle momentanen Schäden durch die Königsteiner Baufirma Pfaff behoben werden.

 

Allerdings wird bei einer derartigen mittelalterlichen Ofenanlage im Wald auch weiterhin in gewissen Abständen Konservierungsbedarf anstehen. Bisher konnten die Kosten jeweils durch Spenden und Zuschüsse aufgefangen werden. Zu nennen sind hier vor allem die Mainova AG und die Archäologische Gesellschaft in Hessen e.V.

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Ingrid Berg

Nachtigallenweg 3
61479 Glashütten

06174-62389

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