Historie-Arbeitskreis-Glashütten Taunus
Historie-Arbeitskreis-Glashütten Taunus

Kriegsende 1945 (Schloßborn, Glashütten, Oberems)

Zur Situation in Glashütten und Oberems

 

Im Gegensatz zu Schloßborn haben Glashütten und Oberems weder eine Orts- noch eine Kirchenchronik. In der sehr umfangreichen Schulchronik von Oberems sind Eintragungen aus dem Jahr 1945 herausgerissen oder wurden geschwärzt. Aus dem Grund konnten nur die wenigen erhaltenen Ortsakten aus dem Gemeindearchiv ausgewertet werden. Etliche Angaben decken sich, zumindest was Glashütten angeht, mit denen von Schloßborn.

 

Die Bürgermeister: Von 1926 bis 1945 war Heinrich Dorn II (1982 – 1968) Bürgermeister der Gemeinde Glashütten. Er wurde, da Mitglied der NSDAP, durch die Militärregierung am 29.5.1945 seines Amtes enthoben und für ihn Peter Horn (geb. 1888), Landwirt und Milchhändler, genannt „Milchhorn“, von den Alliierten eingesetzt. Dieser war allerdings mit der Aufgabe offensichtlich überfordert, denn schon im Februar 1946 wurde statt seiner der bisherige Polizeidiener Peter Ernst (1893 – 1985) in das Bürgermeisteramt gewählt, das er zehn Jahre lang innehatte.

 

In der Gemeinde Oberems war von 10/1943 bis 12/1944 der Landwirt Gustav Ludwig Sachs (1890 – 1970) Bürgermeister, den aber die NSDAP noch im Dezember 1944 absetzte und statt seiner Adolf Maurer (1905 – 1991), Landwirt und Holzhauer, mit dem Bürgermeisteramt betraute. Maurer wurde nach denkbar kurzer Amtszeit von den Amerikanern des Amtes enthoben und statt seiner wieder Sachs als Bürgermeister bis 1948 eingesetzt.

 

Angaben aus den Ortsakten von Glashütten: Ende 1943/Anfang 1944 wird der Gewölbekeller in der Glashütter Schule zum Luftschutzraum für den Ort ausgebaut. In der Nacht vom 18. auf den 19. März 1944 fallen Brandbomben, zum größten Teil auf Felder; am 21. Juli 44 stürzt brennend ein Feindbomber in den Wiesen zwischen Glashütten und Schloßborn ab. Im Februar 1945 geht ein Bombenteppich im Distrikt Dickehaag nieder. Am 22. März 1945 stürzt ein deutsches Jagdflugzeug am Glaskopf ab. Gründonnerstag, den 29. März 1945 (einen Tag vor Schloßborn), wird Glashütten durch amerikanische Truppen besetzt. Ab 4.4.1945 muss wegen akuter „Russengefahr“ die Glashütter Bevölkerung rund um die Uhr am Fenster Wache stehen. Es können Absprachen mit den Nachbarn getroffen werden, dass alle zwei Stunden abgewechselt wird, um im Notfall Alarm zu schlagen. Am 16.5.1945 wird bekannt gegeben, dass wieder „Russengefahr“ bestünde, daher habe sich jeder männliche Einwohner ab sofort mit einem Knüppel zu bewaffnen.

Wir können heute nicht mehr feststellen, ob es sich bei den ganz allgemein „Russen“ genannten Personen um herumstreunende ehemalige Kriegsgefangene, eventuell auch Flüchtlinge aus dem Höchster Lager der I.G. Farben-Werke handelt, oder z. B. um Zivilisten aus Massendeportationen. Der Begriff „Zwangsarbeiter“ kommt in den uns vorliegenden Unterlagen nicht vor, deswegen haben wir ihn nicht verwendet. Im Übrigen haben wir uns orientiert an der u.a. auch auf diesen Begriff Bezug nehmenden, auch heute noch überzeugenden „notwendigen begrifflichen Abgrenzung“ des Autors Lutz Becht in: „Ausländische Arbeitskräfte und Arbeitseinsatz in Frankfurt am Main 1938-1945“, veröffentlicht in „Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst“, Nr. 65, S. 422-472.

 

Am 2.11.1945 wird der seit 1930 an der Grundschule tätige Lehrer August Schneemann durch Verfügung des Military Government entlassen.

50 Männer aus Glashütten waren an der Front, davon sind sechs gefallen, einer ist in russischer Kriegsgefangenschaft gestorben.

Ingrid Berg und Jürgen Geiß

 

Wir haben unsere Ausführungen zum Kriegsende 1945 auch deswegen auf die Homepage des Arbeitskreises gestellt, um aus der Bevölkerung, vielleicht sogar von noch lebenden Zeitzeugen, oder von kenntnisreichen Historikern neue oder weiterführende Hinweise zu bekommen. Konkret war das der Fall, die spezielle Glashüttener Situation betreffend. Dafür sind wir sehr dankbar. Karl Breitung, Niederreifenberg, hat uns einen Text geschickt, den wir jetzt neu einfügen.

 

Zur Situation in Glashütten

 

Zeitzeugen sind: Maria Breitung, geb. Schott – meine Mutter, geb. 1915,

und meine Schwester Margot Herrmann geb. 1939

 

Meine Mutter war auf Anraten ihres Vaters Georg Schott zusammen mit ihren beiden Kindern von Flörsheim auf den Bauernhof nach Glashütten zurückgezogen, um vor den Bombenangriffen um Frankfurt herum geschützt zu sein.

Die Karwoche war äußerst hektisch. In größeren Kolonnen strömten deutsche Truppen durch den Ort, um sich zu neuen Sammelpunkten zu begeben. Die Mundpropaganda und der englische Radiosender BBC, den man heimlich hörte, sagten ankommende amerikanische Truppen voraus. Deutsche Nachrichten mit Ausnahme des Volksempfängers gab es nicht, sodass man über die Kriegslage nicht ausreichend informiert war. Die deutschen Landser ergriffen die Möglichkeit, sich durch die Bevölkerung zwangsweise versorgen zu lassen. Auch ein nächtlicher Ruheplatz war gefragt. Mein Großvater gewährte deutschen Soldaten Unterschlupf mit einem Schlafplatz in der Scheune auf Heu oder Stroh. Stets wies er ganz energisch darauf hin, dass dort nicht geraucht werden dürfe. Sein Hof war schließlich vor einiger Zeit durch eine Brandbombe schon massiv geschädigt worden. Ein deutscher Soldat, der zu Fuß angekommen war, requirierte mit gezogener Pistole einfach das neue Fahrrad meiner Mutter und fuhr davon. Der Soldat versprach zwar, das Rad nur ausleihen und es möglicherweise wieder zurückbringen zu wollen. Es bleib aber bei diesem Versprechen. Mein Opa verwahrte heimlich eine Pistole im Haus. Weil abzusehen war, dass er diese Waffe hätte abgeben müssen, versteckte er sie mitten im großen Misthaufen.

Es folgten unruhige Nächte der Ungewissheit. Wer kann da schlafen? Was erwartet uns?

Am Donnerstagmittag erreichte die Spannung im Dorf abrupt ihren Siedepunkt. „Die Amis sind da!“, konnte man von überall hören. Jeder konnte sie in einer Entfernung von 1 – 2 km mit bloßem Auge über das weite freie Feld sehen. Sie näherten sich von Kröftel aus durch den Wald und verharrten am Waldesrand, wo sich das Kastell Maisel befindet. Immer mehr Jeeps und Panzer kamen zu diesem Sammelpunkt. Man beäugte sich gegenseitig mit Ferngläsern. Von deutschen Militärs war keiner mehr zu sehen. Die amerikanischen Soldaten schienen auch nicht „auf Teufel komm raus“ ihr Leben zu riskieren, spekulierten die Glashüttener. Einige Ortsbewohner hängten weiße Betttücher hinaus. Da man die Gefahr, dabei von deutschen Fanatikern erwischt zu werden, kannte, hängte man sie auf der Rückseite der Häuser so auf, dass sie nur von den Amerikanern gesehen werden konnten. Vorsicht war geboten, denn die sog. Kettenhunde, deutsche Feldjäger, die an ihren Uniformen an der Brust ein kleines Kettchen trugen, kannten keine Gnade und führten sofortige Exekutionen durch.

Am späten Abend des Gründonnerstags kamen die amerikanischen Soldaten in den Ort und durchkämmten Haus für Haus, ohne dass es zu Widerstandsaktionen kam. Da mein 3-jähriger Bruder akut an Diphterie erkrankt war, hängte meine Mutter ein großes Schild vor die Eingangstür „Diphterie“, was auch jeder Amerikaner als „diphteria“ gut deuten konnte. Das hielt alle davon ab, das Haus zu betreten. Sobald das Schild aber wieder entfernt wurde, folgte sofort eine Durchsuchung. Drei Soldaten durchkämmten den Bauernhof meines Großvaters, darunter ein schwarzer Mann, ein für die Kinder furchteinflößender Anblick, der sie nur noch enger an Mutters Rockzipfel rücken ließ. Besonders der Bereich über dem Wohnzimmerschank fand das Interesse der Soldaten. Auch die Leica-Kamera war so interessant, dass sie ein Soldat kurzerhand einsteckte. Kleine Kriegsbeute.

Die amerikanischen Besatzer enthoben den seit 1926 das Bürgermeisteramt innehabenden Heinrich Dorn seines Amtes und setzten übergangsweise Peter Horn (offiziell ab Juni 1945) auf diesen verantwortungsvollen Posten.

Da die amerikanischen Truppen schnell weiterzogen und der ordnungsgemäße Verwaltungsaufbau stockte, entstand zeitweise ein Machtvakuum. Wegen der teilweise nur durch Diebstahl überlebensfähigen, herumstreifenden Zwangsarbeiter wurde immer wieder mit der Dorfschelle die Information herausgegeben, dass „die Russen noch unterwegs sind“. Der neue Bürgermeister riet den Einwohnern, sich nachts zu bewaffnen und einzuschließen.

Zu Weihnachten zeigte sich die Besatzungsmacht aber schon von ihrer positiven Seite. Alle Kinder durften sich im Waldhotel ein Geschenkpaket abholen, was natürlich von allen dankend entgegengenommen wurde.

Als letzter Heimkehrer vom Krieg wurde kurz vor Weihnachten 1951 Kurt Jungklaus, ein Vater von fünf Kindern, begrüßt. Er kehrte aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. Der Ort Glashütten hatte damit keinen weiteren Vermissten mehr zu beklagen.

Karl Breitung, Niederreifenberg

 

Zur Situation in Schloßborn

 

Den ausführlichen Text „Schloßborn 1945 bis zum Kriegsende“ finden Sie nicht mehr auf unserer Homepage. Er ist aber im Gemeindearchiv Glashütten zusammen mit vielen interessanten Originalunterlagen vorhanden und kann dort eingesehen werden. Auf Wunsch stellen die dort ehrenamtlich Tätigen auch gern Kopien zur Verfügung. Nachfolgend die Begründung, weshalb dieser Text gelöscht wurde:

Unser Artikel zum Kriegsende und insbesondere zur Besetzung durch die Alliierten in der Gemeinde Schloßborn behandelte die lokalen Geschehnisse. Geschildert wurden diese nach Aufzeichnungen von damals lebenden Personen, mündlichen Überlieferungen von glaubwürdigen Zeitzeugen und Unterlagen aus dem Gemeindearchiv. Es sollte und konnte keine umfassende Darstellung aller Geschehnisse im „Dritten Reich“ sein. Keinesfalls war eine Verniedlichung oder Verharmlosung der Nazi-Herrschaft beabsichtigt.

Nun haben uns Zuschriften erreicht, die auf unsachliche Weise uns genau diese Vorwürfe machen.

Zur Vermeidung fruchtloser Auseinandersetzungen haben wir den Artikel zu Schloßborn wieder gelöscht.

Gezeichnet: Alwin Klomann und Hermann Hofmann

Historie-Arbeitskreis-Glashütten

Ingrid Berg

Nachtigallenweg 3
61479 Glashütten

06174-62389

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